Als wir nach einer circa zweistündigen Autofahrt an unserem Aufenthaltsort angekommen waren, fühlte ich mich zunächst nur erschöpft und müde. Natürlich war ich auf meine Gastgeschwister, meinen Gastvater und die spanische Sprachschülerin gespannt, mit der ich mir die kommenden vier Wochen über das Zimmer teilen würde. Aber die sollte ich erst am nächsten Morgen kennenlernen, weil alle noch unterwegs waren. Meine Gastmutter zeigte mir kurz das Haus. Von außen sah es genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte, mit einer großen Garage und vielen Autos vor der Tür. Im Inneren war es sehr amerikanisch eingerichtet. Zudem wirkten die Räume nicht gerade ordentlich und aufgeräumt auf mich, sondern etwas durcheinander. Was mich an der Einrichtung besonders faszinierte, war der große Kühlschrank. Noch nie zuvor hatte ich einen so großen Kühlschrank gesehen. Mein bzw. unser Zimmer war eigentlich das Zimmer unserer Gastschwester, das sie netterweise für uns geräumt hatte. Es war wesentlich kleiner als mein Zimmer in Deutschland, und ich wusste sofort, dass es eine neue Erfahrung werden würde, auf so engem Raum mit jemand Fremdem zusammenzuleben. Ich war jedoch von Anfang an willens, aus der Situation einfach das Beste zu machen. Weiter dachte ich an diesem Abend nicht mehr. Ich aß noch eine Kleinigkeit, schrieb eine E-Mail an meine Eltern und war dann froh, endlich in meinem Bett zu liegen. Am nächsten Morgen wachte ich auf und war zunächst etwas irritiert: Wo war ich und wer mochte das fremde Mädchen im Nachbarbett wohl sein? Die Aufregung legte sich allerdings schnell wieder, und mir Mwurde bewusst, dass dies der erste richtige Tag meines Sprachurlaubs sein sollte. Nach dem Aufstehen erzählte unsere Gastmutter uns, dass wir mit einigen anderen Familien eine Woche in Campingurlaub fahren und somit erst ab der zweiten Woche am Unterricht teilnehmen würden. Das verwirrte mich zwar, aber ich nahm es so hin und war gespannt auf das, was mich erwarten würde. Was ich im Verlaufe des Vormittags erlebte, war wohl wirklich typisch amerikanisch: Meine kleinen Gastbrüder saßen den ganzen Morgen über im Schlafanzug vor dem Fernseher, während meine Gastmutter fast den gesamten Hausstand in unserem riesigen Trailer verstaute. Die langwierigen Vorbereitungen ließen mich mutmaßen, dass amerikanische Familien sich bei allem sehr viel Zeit lassen und durch nichts aus der Ruhe zu bringen sind. Am Mittag machten wir uns auf den Weg. Zehn weitere Familien, die ebenfalls ihre Sprachschüler mitgebracht hatten, fuhren mit uns. In der nächsten Woche verlebten wir einen sehr heißen, aber wirklich schönen Urlaub an einem großen See im Landesinneren. Es war für mich eine ganz neue Erfahrung, denn ich hatte noch nie zuvor gecampt. Besonders förderlich war es, dass ich die ganze Woche kein Wort Deutsch sprach und merkte, dass ich mich gut auf Englisch verständigen konnte. Nach vier Tagen träumte ich sogar zum ersten Mal auf Englisch, ein schönes Gefühl. Ich lernte in dieser Woche alle Sprachschüler besser kennen, und wir konnten uns über unsere verschiedenen Kulturen austauschen. Als die Woche um war, fand ich es zwar schade, nach „Hause“ zu müssen, war aber zugleich sehr froh, wieder ein richtiges Bad zu haben und nicht mehr im Zelt schlafen zu müssen. Außerdem war ich gespannt auf den Sprachunterricht und die restlichen Sprachschüler, die ich noch nicht getroffen hatte. Aber erst einmal stand das Wochenende bevor, und am Sonntag unternahm meine Gastmutter einen Ausflug nach San Francisco mit uns. Am Montag begann der Alltag mit dem allmorgendlichen Sprachunterricht, der meist um 9 Uhr anfing, verschiedene Themen abdeckte und immer abwechslungsreich gestaltet wurde. Im Anschluss an den Kurs standen verschiedene Aktivitäten wie zum Beispiel Bowling auf dem Programm. Wenn dies nicht der Fall war, verbrachten wir die Nachmittage in unseren Gastfamilien. Zudem unternahmen wir als Gruppe verschiedene Tagesausflüge nach San Francisco, an den Strand von Santa Cruz und nach Sacramento, der Hauptstadt von Kalifornien. Ein besonderes Highlight für mich war ein Ausflug nach Los Angeles in Verbindung mit einem Besuch der Universal Studios Hollywood und des Disneyland in Anaheim. Als die vier Wochen vorbei waren und der Tag unserer Abschiedsparty mit allen Gastfamilien gekommen war, hatte ich gemischte Gefühle. Auf der einen Seite war ich sehr froh, dass ich am nächsten Tag wieder in den Flieger gen Heimat steigen konnte und meine Eltern und Freunde wiedersehen würde. Denn ich muss gestehen, dass mir zwischendurch die vier Wochen sehr lang vorgekommen sind und es nicht immer einfach war. In diesen Momenten war glücklicherweise meine Gastmutter für mich da und hat mich unterstützt, als wäre ich ihre eigene Tochter. Das hat mir wirklich sehr geholfen. Meine Gastfamilie hatte ich mit all ihren Vor-, aber auch Nachteilen lieb gewonnen. Deshalb wollte ich auf der anderen Seite gerne noch länger bleiben. Außerdem waren da auch noch die neuen Freunde, die man womöglich nie wiedertreffen würde. Aber es war ja sowieso nicht zu ändern, und deshalb genoss ich den letzten Abend und versuchte, alles auf vielen Fotos festzuhalten. Bis ich zu Hause oder, besser gesagt, zurück am Ausgangsort meines Erlebnisses am Frankfurter Flughafen war, vergingen die Stunden wie im Flug, und der heimische Alltag sollte mich bald wiederhaben. So schnell war mein persönliches Sommerabenteuer vorbei. Wenn ich heute an die Wochen in den USA zurückdenke, dann merke ich, dass ich enorm viel von dieser Sprachreise mitgenommen habe. Ich habe nicht nur sehr viele schöne Erinnerungen und Fotos mitgebracht, sondern mich auch persönlich weiterentwickelt. Man sieht viele Dinge anders, wenn man ein anderes Land mit einer anderen Kultur weit weg von zu Hause kennenlernt. Ich kann nur jedem raten, diese Erfahrung selber zu machen! Carolin Hake, 19, lebt in Marsberg nahe Paderborn. Sie besucht die Jahrgangsstufe 13 und plant, nach dem Abitur Maschinenbau zu studieren. itchy feet Nr.7, Ausgabe 2010 |
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