Magazin 7
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Artikel
Notice Board
Partner/Experten
Downloads
Vorherige Magazine
Magazin 1
Magazin 2
Magazin 3
Magazin 4
Magazin 5
Magazin 6
Hintergrund
Die Idee
Herausgeber
Interaktiv
Artikelwettbewerb
Fotowettbewerb
Feedback
Mediadaten & Co
Mediadaten
Medienpartner
Presse
Kontakt
Ansprechpartner
Impressum
Im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten
Zum Zivilersatzdienst ins Ausland


Die Burger brutzeln auf dem Grill, die Pommes frites steigen langsam an die Oberfläche des Frittierfettes und die Hot Dog Würstchen stehen kurz vor der Knackfrische. Willkommen bei einer der besten und erfolgreichsten Suppenküchen in Amerika: dem Café 458 des Samaritan House in Atlanta, meinem Arbeitsplatz als „Kitchen-Coordinator“. Aber der Reihe nach.

Eigentlich ist es schon mehr als zwei Jahre her, dass ich mich entschieden habe, unbedingt meinen Zivilersatzdienst im Ausland abzuleisten. Damals kam mein Bruder Bastian total begeistert von seinem Zivildienstjahr aus Tansania zurück. Mit den Worten „Das war die beste Entscheidung meines Lebens“ überzeugte er mich davon, dass dies auch das Richtige für mich sei: Zivi im Ausland. So weit, so gut, so klar! Jetzt gab es nur noch die Schwierigkeit, einen der wenigen und begehrten Plätze zu ergattern und ein passendes Projekt bzw. Land für mich zu finden. Denn ein „Afrika-Typ“ bin ich eher nicht, was alle meine Freunde bestätigen würden. Als ich hörte, dass man seinen Zivilersatzdienst auch im Land meiner Kindheitsträume, den USA, ableisten kann, stand mein Entschluss sofort fest: Da muss ich hin. Ich bewarb mich bei mehreren Entsendeorganisationen und wurde nach einem langwierigen Bewerbungs- und Auswahlprozess von einer Institution in das USA-Programm aufgenommen. Voller Elan machte ich mich an die Aufgabe, 2.600 € zu sammeln und so meinen Unterstützerkreis aufzubauen. Der Aufbau eines solchen Kreises ist in der Regel eine Voraussetzung für die Ableistung des Anderen Dienstes im Ausland, kurz ADiA. Das Sammeln von Spenden stellte sich als schwieriger heraus als erwartet, aber durch die großzügige Unterstützung von einigen Vereinen, Firmen und Privatpersonen habe ich meine Spenden zusammenbekommen. Mit dem Geld in der Tasche wurde das Projekt USA langsam konkret, und die Vorfreude stieg von Tag zu Tag. Das Visum musste beantragt, die amerikanischen Behörden von meiner Harmlosigkeit überzeugt, ein zweiwöchiger Vorbereitungskurs meiner Organisation absolviert, eine Abschiedsparty gefeiert und Tränen verdrückt werden. Und schon stieg ich in den Flieger, schnallte mich an und ab ging es, das Abenteuer konnte beginnen.

Ich flog von Stuttgart nach Seattle im Bundesstaat Washington. Dort angekommen, blieben mir zwei Tage, um auf eigene Faust die Stadt zu erkunden. Ich nutzte die Zeit, mich an die amerikanische Kultur zu gewöhnen und erste Eindrücke zu sammeln. Mir kam alles riesig vor: Autos, Straßen und Häuser. Da es sich um meinen ersten USA-Aufenthalt handelte, fühlte ich mich in den ersten Tagen oft überwältigt. Nicht nur die riesigen Dimensionen, sondern auch die unglaubliche Freundlichkeit und Gesprächigkeit der Amerikaner beeindruckten mich. Während unseres Einführungsseminars trafen wir einheimische Freiwillige, die zukünftig ebenfalls in sozialen Projekten tätig werden wollten. Da wir alle mit armen oder mittellosen Menschen zusammenarbeiten sollten, waren die drei Wochen darauf ausgerichtet, erste eigene Erfahrungen mit dieser Lebenssituation zu machen. Das begann damit, dass wir zu viert in kleinen Räumen zusammenlebten, auf einer Luftmatratze auf dem Boden schlafen mussten und durchschnittlich 0,60 Dollar pro Mahlzeit und pro Person zur Verfügung gestellt bekamen, was durchaus Hungergefühle zur Folge hatte. Durch die persönlichen Erfahrungen erlangten wir eine ganz neue Sichtweise auf materielle Ressourcen.

Als ich eine Woche vor meinem ersten Arbeitstag endlich erfuhr, wo ich überhaupt hinkomme, war ich sehr glücklich. Aus über hundert Projekten in allen erdenklichen Städten der Vereinigten Staaten wurde mir eines meiner Wunschprojekte zugeteilt: die Arbeit im Samaritan House in Atlanta, Georgia. Meine zukünftigen Aufgaben kannte ich nur aus kurzen Erfahrungsberichten und einer Projektbeschreibung, aber das sollte sich schnell ändern. Von Seattle aus flog ich über Las Vegas nach Atlanta, wo ich von meinen neuen Mitbewohnern herzlich empfangen wurde. Mit fünf anderen Freiwilligen aus Deutschland und den USA wohne ich seit meiner Ankunft in einem wunderschönen typischen Südstaatenhaus im Vorort Decatur. Unterstützt werden wir von der Community of Hospitality. Das ist eine Gemeinschaft bestehend aus ungefähr 30 Leuten, die uns kostenlos das Wohnhaus zur Verfügung stellt, uns ein monatliches Taschengeld von 80 Dollar bezahlt, uns Geld für Essen und Benzin gibt und uns auch sonst bei den verschiedensten Dingen hilft. Was dieser Kreis von uns als Gegenleistung erwartet? Dass wir Freiwillige eine gute und ehrenwerte Arbeit in unseren Projekten ableisten. Dadurch möchten die Mitglieder zur Verbesserung der sozialen Strukturen beitragen.

Die Sozialarbeiter und Mitarbeiter des Samaritan House „Employment Readiness Program“, unterstützen Obdachlose bei der Suche nach neuer Arbeit und stellen alles Notwendige für die Jobsuche zur Verfügung. Das heißt konkret, dass den Obdachlosen eine Waschmöglichkeit, ein Lagerraum für ihr Hab und Gut, ein Computerraum zum Schreiben von Bewerbungen und der Recherche nach Stellen im Internet sowie ein Frühstück zur Stärkung für die Jobsuche bereitgestellt wird. Ferner gibt es einen „Clothing Closet“, eine Art Kleiderkammer. Hier können sich die Obdachlosen einmal im Monat Kleidung für Vorstellungsgespräche aussuchen. Meine Aufgabe im Samaritan House wird als „Kitchen- Coordinator“ bezeichnet. Morgens um 6 Uhr beginne ich mit der Zubereitung des täglichen Frühstücks für circa 80 Obdachlose. Ich bin mein eigener Chef und darf bestimmen, was gekocht wird. Ich bekomme meist Hilfe von obdachlosen Freiwilligen, deren Zahl täglich zwischen sechs und keinem schwankt, was durchaus eine Herausforderung sein kann. Zum Frühstück gibt es typisch amerikanisches Essen wie „pancakes“, „French Toast“, „biscuits“, „hash browns“ und „bagels“. Abwechselnd serviere ich dazu Rührei, Früchte, eine Art Grießbrei, Speck oder Würstchen und was eben sonst noch durch Privatspenden oder Großspenden lokaler Supermärkte zur Verfügung steht. Engpässe im Budget sind eine meiner größten Herausforderungen, aber zugleich auch der Teil der Arbeit, der sehr spannend ist. So muss ich jede Woche versuchen, mit circa 300 Dollar auszukommen, um ein Frühstück für insgesamt bis zu 500 Menschen auf die Beine zu stellen. Ich kann stolz behaupten, dass mir die Obdachlosen schon häufiger gesagt haben, dass sie nur wegen meinem Frühstück meilenweit durch die Stadt gelaufen sind. Genau diese kleinen Dinge machen den Alltag immer wieder schön.

Nachdem ich mit der Frühstücksausgabe fertig bin und die Küche geputzt habe, mache ich mich auf den Weg in das zweite Projekt des Samaritan House: das Café 458. Hier besteht meine Hauptaufgabe darin, alle Freiwilligen – egal ob Studenten, Berufstätige oder Privatpersonen – zu koordinieren. Das Café 458 ist die erste Obdachlosenküche der USA, die wie ein Restaurant aufgebaut ist und mittlerweile als Vorbild für ähnliche Einrichtungen im ganzen Land gilt. Die Idee ist, dass sich die Obdachlosen nicht wie Obdachlose fühlen sollen, sondern wie jemand, der in ein Restaurant geht und sein Essen bestellt. Dass das Café etwas Besonderes unter den Obdachlosenküchen ist, kann man unter anderem an dem hochwertigen Menü erkennen sowie an unserem Chefkoch, der an der landesweit besten Ausbildungsstätte für Köche war. Das Menü besteht jeden Tag aus mindestens zwei verschiedenen Arten von Fleisch oder Fisch und aus drei verschiedenen Beilagen. Mit der Zeit habe ich ein paar deutsche Gerichte in das Menü eingebaut, und das Wiener Schnitzel kommt hier durchaus gut an. Was mir bei meiner Aufgabe besonders gefällt, ist, dass ich eine große Verantwortung trage und dadurch sehr motiviert zur Arbeit gehe. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich hier etwas bewirken kann und etwas Sinnvolles tue.

Durch meine Tätigkeit im Café ist es für mich sehr einfach, junge Leute zu treffen, da täglich Studenten vorbeikommen und mithelfen. So habe ich schon einige neue Freunde kennengelernt. Anfangs hatte ich jedoch durchaus meine Probleme mit „der amerikanischen Art“. Im Grunde genommen ist jeder gleich dein Freund, und alle meinen, man müsse sich unbedingt einmal treffen und etwas zusammen unternehmen. Als Deutscher geht man natürlich davon aus, dass das ernst gemeint ist. In den USA handelt es sich aber eher um eine Art Höflichkeitsfloskel, und die Leute melden sich eigentlich nie wieder. Mittlerweile habe ich herausgefunden, wie das zu verstehen ist, und zum Glück auch schon echte Freundschaften schließen können.

Dass das Leben sich extrem schnell zum Schlechten wenden kann, ist eine meiner größten Erkenntnisse dieses Jahres. Ich sehe täglich Menschen, die von einem auf den anderen Tag auf der Straße gelandet sind. Und das sind nicht unbedingt Menschen, wie man sich Obdachlose gemeinhin vorstellt, sondern Leute wie du und ich, die vielleicht Manager waren und nicht selten einen Bachelor- oder Masterabschluss haben. Durch das teilweise unfaire amerikanische Sozialsystem sind sie auf der Straße gelandet und müssen noch einmal von ganz unten anfangen. Natürlich habe ich zugleich viele positive Erfahrungen gemacht und kann heute das Urteil meines Bruders aus eigener Erfahrung bestätigen: Es war die beste Entscheidung meines bisherigen Lebens, in die USA zu gehen. Ich kann es nur jedem empfehlen: Go West!


Simon Bender, 20, hat seinen Anderen Dienst im Ausland mittlerweile beendet und sein BWL-Studium in Mannheim aufgenommen



itchy feet Nr.7, Ausgabe 2010

English

PDF-Download
itchy feet No. 7
Magazin Nr. 7
pdf (12 MB)

Partner / Experten A-Z
absolut Karriere
away - Die Auslandsmesse
AYUSA Cultural Exchange
College-Contact.com
Comox Valley School District, Canada
Cultural Care Au Pair
Dr. Frank Sprachen & Reisen GmbH
Do it! Sprachreisen
ec.se
EF High School Year Deutschland
EF Sprachreisen
ESL Sprachreisen
Give
Handbuch Fernweh
Handbuch Weltentdecker
Hausch & Partner GmbH
Hostelworld.com
IHK Aachen, Ausbildung International
INHolland
International Doorway
into Schüleraustausch
isa International Service Assekuranz
iSt Internationale Sprach- und Studienreisen
Karriere im Ausland
Medizinstudium im Ausland
OneWorld
Pickering College
Private Universität Witten/Herdecke
San Diego State University, ALI
Schüleraustausch weltweit
Southern Cross Education
Sport-Scholarships.com
Stepin
team!
The European Hotel Academy
Think: Education Group
UCLA Summer Sessions
University of Lugano
University of Southern Denmark
University of Tartu
University of Winnipeg
Universitäten weltweit
Victoria International High School Programs
VU University Amsterdam
Weltbürger-Stipendien
weltweiser



Copyright 2010 International Education Network GmbH & Co KG