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Von der Not zur Tugend
Auslandsaufenthalt Down Under für Jugendliche unter 15

Als Hamburg als erstes der alten Bundesländer das Abitur nach zwölf Jahren einführte, war die Verunsicherung allgemein groß. Die Aussicht, das bisherige Pensum in kürzerer Zeit bewältigen zu müssen, lähmte bei vielen den Mut, einen Auslandsaufenthalt zu planen. Dann jedoch gewann hanseatischer Freigeist die Oberhand und die ersten Anfragen Hamburger Neuntklässler landeten in unserem Büro nach dem Motto „Ich bin so weit, nehmt ihr mich ins Programm?“ Unterstützt wurden diese Bestrebungen von mehreren Hamburger Gymnasien, die erkannt hatten, dass ein Auslandsaufenthalt in der 9. Klasse sowohl für die Schüler als auch für die Schule entspannter sein würde als in der Einführungsphase zur Oberstufe.

Die erste größere Gruppe von Neuntklässlern (allesamt bei Abreise deutlich jünger als 15) machte sich im Januar 2009 auf den Weg nach Australien und Neuseeland. Die Verweildauer betrug für alle ein halbes Jahr. Nun sind sie wohlbehalten zurückgekehrt. Für uns ein Anlass, innezuhalten und nachzufragen – nach den Motiven, den Erfahrungen, den Empfehlungen für Nachfolgende. Die Skepsis und die Anfeindungen, denen die Eltern unserer jungen Schüler und auch wir uns teilweise ausgesetzt sahen (die Wortwahl reicht von „unverantwortlich“ und „gewissenlos“ bis „Rabeneltern, die ihre Kinder abschieben“), waren zusätzliche Motivation für eine kleine Recherche.

Der Reformpädagoge Hartmut von Hentig schlägt vor, die Mittelstufe der allgemeinbildenden Schulen (die Altersjahrgänge 13, 14 und 15) zu „entschulen“. Seine Idee ist es, an die Stelle von verordnetem Pensum eine möglichst frei zu wählende Lerngelegenheit, an die Stelle von kollektiver Belehrung eine persönliche Bewährung in einem Lernzusammenhang, an die Stelle von Leistungszwang eine Selbstverpflichtung, an die Stelle des abstrakten Gehorsams einen konkreten Vertrag mit der Gemeinschaft zu setzen (Hartmut von Hentig: Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein, 2006). Diese Forderungen werden gestützt durch neue Erkenntnisse zur Gehirnentwicklung im Teenageralter. Wie die Wissenschaftsredakteurin der New York Times, Barbara Strauch, recherchiert und ausführlich dargelegt hat, ist gerade das Teenagergehirn zu Beginn der Pubertät einem umfangreichen Wandel unterworfen und keineswegs fertig. Studien zeigen, dass es dann am besten lernt, wenn es selbstständig vielgestaltiges Neuland erforscht (Barbara Strauch: Warum sie so seltsam sind. Gehirnentwicklung bei Teenagern, 2004).

Nun fordern die Autoren natürlich nicht den Auslandsaufenthalt als das Rezept gegen pubertäre Probleme, gleichwohl unterstützen ihre Erkenntnisse unsere Behauptung, dass ein Auslandsaufenthalt in diesem Alter – zwischen 13 und 15 Jahren – nicht nur möglich, sondern unter Beachtung gewisser Voraussetzungen ein Segen für die Jugendlichen sein kann.

Wir haben unsere jungen Rückkehrer und ihre Eltern befragt und die Schulen der befragten Schüler in Neuseeland und Australien um eine Einschätzung im Vergleich zur Altersgruppe der 16- bis 17-jährigen Schüler gebeten. Aufgrund der geringen Zahl der Befragten (zehn Teilnehmer) kann man nicht von repräsentativen Ergebnissen für diese Altersgruppe sprechen. Da die Antworten sowohl der Schüler als auch der Eltern aber sehr einheitlich ausfielen, sind die Ergebnisse trotzdem interessant.

Gründe, schon mit 13 oder 14 Jahren für längere Zeit ins Ausland zu gehen
Zunächst fällt auf, dass alle befragten Schüler als den Hauptgrund für ihre Bewerbung angaben, sie hätten „schon immer“ gern für längere Zeit ins Ausland gewollt und hätten nun die erste sich ihnen bietende Chance ergriffen. Dazu finden sich schnell weitere Gründe, einen frühzeitigen Auslandsaufenthalt zu befürworten. Genannt wurden: Frust, Langeweile und Unterforderung im deutschen Schulalltag, Suche nach neuen Herausforderungen und mehr Spaß am Lernen sowie die unter vielen G8-Schülern verbreitete Angst, zu viel Stoff zu verpassen, falls man erst in der 10. Klasse ins Ausland geht.

Voraussetzungen
Wichtig scheint, dass die Schüler ein Grundvertrauen haben – nicht nur in die eigene Person, sondern auch in Menschen im Allgemeinen. Dieses ermöglicht ihnen, sich in allen Fragen auch an fremde Personen zu wenden. Außer dem eigenen Entschluss zu diesem Vorhaben und einer Neugier auf Neues sollten Schüler, die frühzeitig ins Ausland möchten, bereits ein gewisses Maß an Toleranz und Gelassenheit, auf jeden Fall aber Zuverlässigkeit mitbringen.

Worauf zu achten ist
Das „Fee-Paying-Programm“ in Australien und Neuseeland ermöglicht eine individuelle Platzierung der Schüler mit Auswahl der Schule und Region unter Berücksichtigung besonderer Anforderungen. Diese Besonderheit hilft uns speziell bei der Betreuung sehr junger Schüler. Wir von Hausch & Partner wissen zum Beispiel, welche Schulen besonders wenige internationale Schüler haben, wo also eine sehr persönliche Betreuung garantiert ist. Wir kennen kleine Schulen in ländlichen Gegenden, die sich besonders für die Aufnahme sehr junger Schüler eignen. Wir kennen auch die Betreuer internationaler Schüler an unseren Partnerschulen und wissen, wer von ihnen in der Lage ist, sich auf die Bedürfnisse der ganz jungen Schüler einzustellen.

Ängste und Probleme
Die jungen Schüler haben vor allem Angst, mit der englischen Sprache Probleme zu bekommen. Dass diese Angst ungerechtfertigt ist, haben uns hinterher alle bestätigt. Sie seien erstaunt gewesen, wie schnell sie sich in der Fremdsprache zu Hause fühlten und dass Lehrer, Mitschüler und Gastfamilien ihnen ganz „lieb“ geholfen hätten.

Wir stellen fest, dass jüngere Schüler nicht mehr Probleme haben als ältere, und wenn, dann meist andere. Gelassenheit ist eine Eigenschaft, die bei 16-Jährigen schon ausgeprägter zu sein scheint als bei 13-/14-Jährigen. So mochte sich einer unserer 13-Jährigen gar nicht mit dem ständigen Fernsehkonsum seiner ansonsten sehr netten neuseeländischen Gastfamilie abfinden und startete vehement und diskussionsfreudig ein Umerziehungsprogramm, das aber bei der Gastfamilie auf wenig Gegenliebe stieß. Ältere Schüler sehen solche Dinge in der Regel bereits gelassener.

Andererseits scheinen sich jüngere Schüler schneller in das fremde Familienleben zu integrieren, während ältere häufig versuchen, ihr deutsches Freizeitleben ins Ausland hinüberzuretten. 16-Jährige, die sich in Deutschland bereits ganz legal in der Szene bewegen – inklusive Bierund Weinkonsum – , sehen ihre bereits gewonnenen Freiheiten im Ausland beschnitten, was immer wieder zu kritischen Situationen und Diskussionen führt. Derlei Begehrlichkeiten sind den Jüngeren noch unbekannt.

Vorteile eines frühzeitigen Auslandsaufenthalts
Unsere jüngeren Teilnehmer haben folgende weitere Vorteile für sich ausgemacht.
- in den jüngeren Jahrgängen sind weniger Internationals und die jüngeren einheimischen Schüler scheinen aufgeschlossener gegenüber Gastschülern zu sein, deswegen wurden sie von den Einheimischen besser integriert;
- bis zum 10. Schuljahr wird in Australien und Neuseeland überwiegend im Klassenverband unterrichtet, was die Integration ebenfalls erleichtert.

Schlussbemerkung
Wir freuen uns, aufgrund unserer Untersuchungen und Befragungen sagen zu können, dass es keinen Grund gibt, einem unter 15-jährigen Schüler den Langzeitaufenthalt im Ausland zu verwehren. Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die individuelle Eignung und der eigene Wille. Dem Anbieter des Programms obliegt es, durch Erstellung eines umfassenden Bewerberprofils die passende Institution im Ausland zu finden, wobei Hausch & Partner bei jüngeren Schülern dem Australien und Neuseeland eigenen schulinternen Betreuungssystem eine noch größere Bedeutung zumisst als dem akademischen Programm der jeweiligen Schule.

Die Frage, ob sie die Entscheidung (bereits mit 13/14 ins Ausland zu gehen) noch einmal genauso treffen würden, wurde von fast allen Schülern energisch bejaht. Sie seien freier, selbstständiger, selbstbewusster geworden, meinen unsere Schüler, und auch die ganz Jungen erkennen, wie wertvoll es ist, andere Sichtweisen zu erleben, um die eigenen Werte relativieren zu können.


Kristine Hausch
Hausch & Partner GmbH
High Schools Down Under
040-4147580
info@hauschundpartner.de
www.hauschundpartner.de



itchy feet Nr.7, Ausgabe 2010

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