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Auslandsaufenthalte trotz G8
Möglichkeiten in Australien und Neuseeland

Hamburg hat als erstes der alten Bundesländer das achtstufige Gymnasium eingeführt. Die Schüler der jetzigen 10. Klassen werden die ersten sein, die im Jahr 2010 bereits nach zwölf Jahren ihr Abitur machen. Gleichzeitig mit der Schulzeitverkürzung wurde in vielen Ländern die so genannte „Profiloberstufe“ eingeführt, eine Form der Oberstufe, bei der mindestens ein Leistungskurs und ein Grundkurs miteinander gekoppelt sind. Profile, das heißt Schwerpunkte, gibt es beispielsweise in den Bereichen Sprachen, Naturwissenschaften oder Gesellschaftswissenschaften.

Bei vielen Familien, die grundsätzlich an einem Auslandsaufenthalt interessiert sind, besteht derzeit eine große Verunsicherung hinsichtlich der Konsequenzen, die ein solcher für die Schüler haben könnte. Die Reform befindet sich noch in der Testphase, sodass auch viele Lehrer sich nur zurück haltend äußern mögen. Grundsätzlich steht immer noch allen Schülern die Möglichkeit offen, nach der 10. Klasse ein Auslandsjahr „einzuschieben“, um danach zusammen mit dem jüngeren Jahrgang ganz regulär – eben ein Jahr später – in die 11. Klasse einzusteigen. Schüler, die sich hierfür entscheiden, werden ein entspanntes Auslandsjahr erleben – eine „Auszeit“ gewissermaßen. Diese „Auszeit“ wünschen sich allerdings nur wenige. Es ist zu beobachten, dass die meisten Gymnasialschüler das Abitur gemeinsam mit ihren langjährigen Schulfreunden meistern möchten.

Vor diesem Hintergrund haben wir von Hausch & Partner eine umfangreiche Ergänzung unseres Programms vorgenommen. Dabei gehen wir von dem Gedanken aus, dass ein Teil der Schüler bereits im Alter von 13 bis 15 Jahren bereit und reif für einen Auslandsaufenthalt ist. Für die Älteren ist es wichtig zu beachten, dass sie neben der allgemeinen kulturellen Erfahrung eine gezielte Förderung in ihren Kernfächern erhalten. Insgesamt sind wir der Meinung, dass ein Auslandsaufenthalt während der Schulzeit eine andere Qualität hat als ein solcher nach Beendigung der Schule. Nur das Leben als Teil einer fremden Familie im Ausland erfordert und fördert die Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Toleranz und Teamfähigkeit, die heute überall als „soziale Kompetenz“ eingefordert wird.

Programme für jüngere Schüler, Klassen 8 und 9
Jüngere Schüler, 12 bis 15 Jahre alt, haben weiterhin die Möglichkeit, einen „echten“ Langzeitaufenthalt von sechs bis zwölf Monaten Dauer im Ausland zu absolvieren. Bereits seit einigen Jahren können in Australien und Neuseeland Schüler dieser Altersstufen in das Schulprogramm aufgenommen werden, wenn ersichtlich ist, dass dies der Wille des Schülers – und nicht nur der Eltern – ist und der Schüler die notwendige soziale Reife mitbringt. Die Erfahrung zeigt, dass sich selbst Zwölfjährige vollständig in ihre Gastfamilie integrieren können und in ihrem neuen Umfeld so glücklich werden, dass sie am anderen Ende der Welt eine zweite Heimat finden.

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Brecht-Schule, die bekannt dafür ist, dass sie die individuellen Fähigkeiten ihrer Schüler in besonderer Weise fördert, wurde als Grundlage für einen Schüleraustausch der 8. Klassen nach Neuseeland ein Konzept für jüngere Schüler erarbeitet. Projektleiterin Bettina Bussmann, zugleich Lehrerin an der Hamburger Brecht-Schule, erklärt:

„Zwischen der 7. und 9. Klasse ist die Hochphase der Pubertät, also die Zeit, in der sich die Jugendlichen von zu Hause lösen und erwachsen werden. Das gesamte Gehirn wird umstrukturiert und ist in dieser Phase besonders aufnahmefähig aber auch besonders resistent. Aufnahmefähig ist es in einer Umgebung, die ihm geeignete Herausforderungen bietet, sich und die Welt zu entdecken, um ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln. Resistent, aufsässig oder gelangweilt reagiert es dagegen häufig in der gewohnten häuslich-schulischen Umgebung. Reformpädagogen plädieren deshalb seit Jahrzehnten dafür, die Jugendlichen in dieser Zeit entweder komplett anders zu unterrichten oder sie ganz aus dem regulären Schulunterricht herauszunehmen, um ihnen ein Lernfeld zu bieten, in dem sie, auf sich selbst gestellt, reale Herausforderungen eigenständig meistern müssen. Die Begeisterung der Schüler für Neuseeland und Australien erwächst sicher lich aus der Perspektive, ihr eigenes Abenteuer erleben zu können und erwachsen handeln zu müssen – wohl wissend, dass dieses unter gesicherten Bedingungen stattfinden wird.“ Die strikten Gesetze, die in Australien und Neuseeland den Aufenthalt ausländischer Schüler regeln, schaffen in der Tat Rahmenbedingungen, die es erlauben, auch junge Schüler zu Langzeitaufenthalten anzumelden. Die Betreuung erfolgt sehr persönlich, individuell und sorgfältig, gerade wenn jüngere Schüler in kleineren Schulen in Kleinstädten und ländlichen Gemeinden platziert werden.

Programme für ältere Schüler, Klasse 10
Für Schüler, die in der Vorstufe ins Ausland gehen, um hinterher direkt in die Oberstufe einzusteigen, ist es wichtig, dass in den Kernfächern keine zu großen Lücken entstehen. Für diese Zielgruppe gibt es angepasste Programme, die sich nach den deutschen Schulferien richten, sodass der Auslandsaufenthalt zum Beispiel von Beginn der Sommerferien bis zum Ende der Herbstferien erfolgt. Insgesamt ist der Schüler fast vier Monate im Ausland, versäumt aber nur circa zehn Wochen Unterricht in der deutschen Schule. Es gibt Menschen, die meinen, „dann könne man es auch ganz lassen“ – dagegen allerdings stehen die überaus positiven Erfahrungen der „Kurzzeitigen“. Obwohl viele sagen, sie wären gern noch länger geblieben, sind sich doch alle darin einig, dass man auch in vier Monaten in die fremde Kultur eintauchen kann, dass man auch in vier Monaten in Englisch sehr weit kommt und dass vier Monate im Ausland eine grandiose Zeit sind, um vor der Oberstufe noch einmal „aufzutanken“.

Angepasste Fächerwahl
G8-Schüler, die in der 10. Klasse ein halbes Jahr, also zwei Terms, im Ausland verbringen wollen, machen sich Sorgen, dass sie später sehr viel Unterrichtsstoff werden nachholen müssen. Die meisten Schulen und Behörden in Australien und Neuseeland wissen jedoch um diese Proble matik, und so besteht eine große Kooperationsbereitschaft hinsichtlich der Fächerwahl für diese Schüler. Die Aufgabe der deutschen Agenturen und Veranstalter besteht daher vor allem darin, den Familien Schulen zu empfehlen, die in der Lage sind, die für den Schüler wichtigen Fächer auf anspruchsvollem Niveau zu unterrichten. Besonders bei den Fremdsprachen ist hier Sorgfalt bei der Auswahl geboten, denn europäische Fremdsprachen werden an australischen und neuseeländischen Schulen nicht selten gar nicht oder nur auf Anfängerlevel unterrichtet. Deutsche Schüler, die an den für sie richtigen Schulen platziert wurden, berichten immer wieder, dass sie in den kritischen Fächern Mathematik und Naturwissenschaften sowie in Latein, Französisch und Spanisch häufig unter Berücksichtigung der hiesigen Anforderungen eingestuft werden – wenn nötig, in höhere Jahrgänge. Fremdsprachen werden manchmal sogar im Einzelunterricht extra gefördert. Unter dieser Prämisse gelingt es in der Regel auch G8-Zehntklässlern, noch ein „Spaßfach“ wie „Outdoor Education“ zu belegen und ihren Aufenthalt entspannt zu genießen.

Programme für Schüler nach dem Abitur
Es gibt natürlich trotzdem Gründe, den Auslandsaufenthalt auf die Zeit nach dem Abitur zu verschieben. Für diese Jugendlichen existieren in Australien und Neuseeland ebenfalls Programme. Schüler, die das Abitur mit 18 Jahren absolvieren, können noch einmal für ein halbes Jahr zur Schule gehen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, ein Sprachzertifikat zu erwerben, zur Vorbereitung auf Studium und Beruf einen akademischen oder berufspraktischen Schwerpunkt zu wählen, oder sich nach Neigung ein „Studium Generale“ zusammenstellen zu lassen.


Kristine Hausch
Hausch & Partner GmbH
040-4147580
info@hauschundpartner.de
www.hauschundpartner.de



itchy feet Nr.6, Ausgabe 2009

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