Magazin 6
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Artikel
Notice Board
Partner/Experten
Downloads
Vorherige Magazine
Magazin 1
Magazin 2
Magazin 3
Magazin 4
Magazin 5
Hintergrund
Die Idee
Herausgeber
Interaktiv
Artikelwettbewerb
Fotowettbewerb
Feedback
Mediadaten & Co
Mediadaten
Medienpartner
Presse
Kontakt
Ansprechpartner
Impressum
Als Studi-Prinz am Hof der Königin
Studieren im nordirischen Belfast



Belfast, nicht unbedingt die erste Adresse in Sachen Auslandsaufenthalt auf der irischen Insel. So oder zumindest ähnlich sind die ersten Gedanken, als ich mich um die Teilnahme am Erasmus-Programm bewerbe. Den positiven Erasmusbescheid nehme ich dann auch mit leicht gemischten Gefühlen in Empfang. Schließlich hat die TV-Berichterstattung Anfang der 1990er Jahre ständig den Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken thematisiert und der Schulunterricht hat wenig zu einem positiveren Bild beigetragen. Es ist mein unausweichliches Schicksal, dass mich Freunde mit ironischem Unterton auf die Bombenstimmung vor Ort einzustimmen versuchen. In Belfast angekommen, genauer gesagt auf dem George Best Flughafen, gibt es von Bomben glücklicherweise keine Spur. Per Formular hatte ich meine Ankunft angekündigt und finde zu meiner Begeisterung tatsächlich drei Vertreter der International Friendship Association im Foyer vor. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung geht es per Minibus durch das nächtliche Belfast. Meinen Schlüssel bekomme ich an der Verwaltung und prompt fahren wir zu meinem neuen Domizil, einem typischen Reihenhaus Marke Klinkerbau. Kontakte knüpft man in Notlagen und ich werde schon an meinem ersten Abend mit einer solchen konfrontiert. Ich habe doch glatt die bestellte Bettwäsche in der Verwaltung vergessen. In Form des Schlafsacks meines Nachbarn Peter erfahre ich gleich nach meiner Ankunft nordirische Gastfreundschaft.

Die folgende Woche steht ganz im Zeichen der Orientierung an der und um die Queen’s University herum. Die Hochschule wurde von Königin Victoria gegründet und Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Mit seinen roten Ziegelsteinen und den zahlreichen Türmen und Erkern erinnert einen das Hauptgebäude tatsächlich eher an eine königliche Residenz als an eine Alma Mater an der mehr als 25.000 Studierende immatrikuliert sind. Unterstützt wird der positive optische Ersteindruck von einem umfangreichen Rahmenprogramm, das uns internationalen Studierenden geboten wird. Ein offizielles Abendessen zu unseren Ehren und eine voll bepackte Begrüßungstüte inklusive USB-Stick mit Universitätslogo wecken das Gefühl in mir, wenn nicht König, doch zumindest Prinz am Hof der Königin zu sein. Als dann der offizielle Vorlesungsbeginn ansteht, stelle ich überrascht fest, dass unser Haus komplett bewohnt ist. Als eine Besonderheit der Doppelhausbauweise erweist sich die gemeinsame Küchenbenutzung der zusammengehörigen Etagen. Damit ist die intendierte Geschlechtertrennung – links die Jungs, rechts die Mädels – zumindest in Sachen Kochen aufgehoben. Tatsächlich teilen sich am Ende acht Studierende die Einrichtung, darunter sechs waschechte Einheimische. Unsere Etage beweist eindrucksvoll, dass nicht nur Liebe, sondern auch der Abbau von Schüchternheit durch den Magen geht. Es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis alle gemeinsam durch das nächtliche Belfast ziehen würden.

Die Tatsache, dass Belfast nicht die Nummer eins auf der Städteliste für den typischen Irlandreisenden ist, kann nur auf ein vorschnell gefälltes Urteil zurückgeführt werden. Das von der Regierung sowie der EU in die Gestaltung der traditionsreichen Hafenstadt investierte Geld hat in den letzten Jahren ganze Viertel in neuem Gewand auferstehen lassen. Das multifunktionale Veranstaltungszentrum Waterfront Hall und die Odysee Arena, Heimstätte des einzigen irischen Eishockeyteams, den Giants, gehören zu den markantesten Bauwerken der neuen Generation. Dass dennoch alter Charme erhalten geblieben ist, liegt nicht zuletzt an den zahlreichen traditionsreichen Pubs. Auch in der Metropole Ulsters werden sie ihrem Ruf als urgemütliche Institutionen gerecht. Daneben gibt es zahlreiche Clubs und Diskotheken, die Belfast nachts richtig boomen lassen. In welcher deutschen Universitätsstadt lässt sich schon um 20 Uhr eine 500m lange Schlange am Eingang zum Club der Studentenvereinigung finden? Die Stadt hat tags und nachts also einiges zu bieten, aber es lohnt, sich auch den Rest der Insel anzuschauen. Mit dem Giants Causeway liegt eines der Highlights der Sehenswürdigkeiten unmittelbar vor der Haustür Belfasts, direkt daneben lockt mit „Bushmills“ die älteste Whiskey Destillerie der Insel. Dublin ist lediglich zwei Stunden mit dem Bus entfernt und überhaupt lässt sich Irland recht gut mit Hilfe des Busliniennetzes erkunden.

Der Alltag spielt sich natürlich an der Universität ab. Wer sich auf sein Studium konzentrieren will, dem stehen an der Queen’s University alle Möglichkeiten offen und das ist durchaus wörtlich gemeint. Während der Prüfungsphase hat mit der Seamus Heany Library der moderne PC-Pool rund um die Uhr für Workaholics geöffnet. In der Regel sind technische Assistenten anwesend, die bereitwillig Hilfestellungen geben, wenn es zu Problemen mit der Technik kommt. Wen es dann in Hörsäle und Seminarräume verschlägt, wird mit Erstaunen feststellen, dass die an deutschen Hochschulen mit Anträgen hart umkämpften Beamer zur Standardausrüstung gehören. In Sachen technische Ausstattung und Service machen uns die irischen Universitäten definitiv etwas vor. Großer Wert wird zudem auf das persönliche Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden gelegt. Die Dozenten haben immer ein offenes Ohr und Zeit spielt keine große Rolle. Wer sich nicht versteckt und wer während den Veranstaltungen Präsenz zeigt, dem sollte zum Abschluss auch ein guter Essay gelingen. Was auf den ersten Blick alles beeindruckend wirkt, relativiert sich im Gespräch mit den nordirischen Kommilitonen schnell. Die Studiengebühren sind je nach Fach um ein Vielfaches höher als in Deutschland. Kaum einer startet nach Abschluss des Studiums schuldenfrei ins Berufsleben. Kein Wunder, dass bei einem Schnitt von acht bis zehn Semesterwochenstunden den Rest der Woche über viel gejobbt wird.

Nur studieren und arbeiten geht natürlich nicht. Sport wird in seinen vielfältigsten Variationen groß geschrieben. Während meines Aufenthaltes wird das ausgebaute Sportzentrum eröffnet. Von Kletterhalle bis Schwimmbad ist dort alles vorhanden. Mich zieht es in das Fußballteam und es dauert nicht lange, bis ich als „Beckenbauer“ zu den Trainingseinheiten begrüßt werde. Wider Erwarten führt Fußball auf der grünen Insel ein Schattendasein. Rugby steht in der Gunst des Publikums ganz oben und spannend geht es auf dem Feld allemal zu. Ich bin jedoch nie über die Zuschauerrolle hinaus gekommen. Das Spiel der Gentlemen ist wohl doch zu hart für mich, den verhätschelten Mitteleuropäer. Letzten Endes finde ich mich viel zu schnell in Deutschland wieder. Sechs Monate sind wie im Flug vergangen und wenn ich mich so umsehe und manche Entwicklung in der deutschen Hochschullandschaft betrachte, macht sich die Sehnsucht nach der grünen Insel bemerkbar. Noch einmal Studi-Prinz am Hof der Königin sein, das wäre was.

Markus Büssecker, 26 Jahre alt, schließt derzeit sein Magisterstudium an der Universität in Bonn ab. Er studiert dort Anglistik, Medienwissenschaft und Philosophie.



itchy feet Nr.5, Ausgabe 2008

English

PDF-Download
itchy feet No. 6
Magazin Nr. 6
pdf (10 MB)

Partner / Experten A-Z
away - Die Auslandsmesse
American Language Institute, SDSU
AYUSA Cultural Exchange
Bildungsbox
Cape Town School of English
Cashmere High School
College-Contact.com
Comox Valley School District, Canada
Cultural Care Au Pair
Dr. Frank Sprachen & Reisen GmbH
Do it! Sprachreisen
ec.se
Edith Cowan University
EF High School Year Deutschland
Estudio Sampere
FU International Academy Tenerife
Give
Golden Hills School Division, Canada
Hausch & Partner GmbH
Handbuch Fernweh
Hostelworld.com
IHK Aachen, Ausbildung International
INHolland
International Doorway
into Schüleraustausch
isa International Service Assekuranz
iSt Internationale Sprach- und Studienreisen
KAPLAN Aspect
Karriere im Ausland
University of Lugano
Medizinstudium im Ausland
OneWorld
Sheffield Hallam University
Schüleraustausch weltweit
Southern Cross Education
Sport-Scholarships.com
STEP IN
STS Sprachreisen GmbH
Studienbuffet
The European Hotel Academy
team!
UCLA Summer Sessions
Universität Witten/Herdecke
University of California, San Diego Extension
University of Debrecen, Medical and Health Science
University of Southern Denmark
Universitäten weltweit
Victoria International High School Programs
VU University Amsterdam
weltweiser

Copyright 2008 International Education Network GmbH & Co KG