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Langzeitstudie zum Schüler- und Kulturaustausch
Ein erster Zwischenbericht
Im Juni 2003 startete der unabhängige Bildungsberatungsdienst weltweiser® in Kooperation mit der Kieler Austauschorganisation KulturLife GmbH eine auf zunächst fünf Jahre angelegte Langzeitstudie zum Schüler- und Kulturaustausch. Nach dreijähriger Laufzeit kann nunmehr ein erster Zwischenbericht präsentiert werden. Viele Indizien sprechen dafür, dass bereits die derzeit vorhandene Datenbasis den langfristigen Schüler- und Kulturaustausch ziemlich genau abbildet.
Im Folgenden sollen einige ausgewählte Facetten von Schüleraustauschprogrammen dargestellt werden. Zuvor möchten sich KulturLife und weltweiser® aber bei all denen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, insgesamt 75 Fragen zu beantworten und überdies meist auch noch die Kommentarfelder mit Inhalt zu füllen. Erst sie haben diese Studie ermöglicht! Die Studie wird nunmehr fortlaufend ausgewertet und nach und nach in "itchy feet" sowie auf www.austauschumfrage.de präsentiert. Dort besteht auch die Möglichkeit, sich an der Langzeitstudie zu beteiligen.
Datenbasis
296 ehemalige Austauschschüler/innen, die mit 36 unterschiedlichen Austauschorganisationen im Ausland waren, haben sich bisher an der Studie beteiligt (Stand 31.7.2006). 74 Prozent der Studienteilnehmer waren in Nordamerika (62% USA, 12% Kanada) platziert, was sich relativ genau mit dem Anteil der deutschen Jugendlichen deckt, die in den letzten Jahren an einem Schüleraustauschprogramm mit mindestens dreimonatigem Besuch einer öffentlichen Schule teilgenommen haben. 86 Prozent der Fragebögen wurden von Mädchen ausgefüllt, was die weibliche Dominanz in Schüleraustauschprogrammen widerspiegelt. Allerdings ist eine (leichte) Unterpräsenz der männlichen Programmteilnehmer in dieser Studie fest zu stellen, da real von "nur" rund 65 bis 70 Prozent weiblicher Programmteilnehmer auszugehen ist.
Ergebnisse der Studie
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Über 95 Prozent der Studienteilnehmer würden - trotz ggf. durchlebter Probleme während ihres Auslandsaufenthalts - wiederum an einem Schüleraustauschprogramm teilnehmen, wobei über 20 Prozent in der Retrospektive ein anderes Gastland wählen würden. |
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Über 80 Prozent der Befragten hatten bereits spätestens einen Monat nach ihrer Ankunft "intensiven Kontakt" zu ihren Mitschülern, wobei es dann naturgemäß bei den meisten Programmteilnehmern noch eine ganze Weile dauerte, bis sich daraus ein "richtiger Freundeskreis" entwickelte: Nach drei Monaten hatten dies aber immerhin bereits gut 75 Prozent der Befragten geschafft. Über 10 Prozent der Befragten gaben jedoch an, dass sie auch am Ende ihres Austauschjahres noch "keine richtigen" Freunde gehabt hätten. |
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Dass ein Schüler- und Kulturaustausch nicht immer leicht ist, zeigt sich wie folgt: 60 Prozent aller Studienteilnehmer durchliefen eine Phase, die man gemeinhin als Kulturschock bezeichnet. Bei über 40 Prozent der Studienteilnehmer wirkten die ersten Wochen und Monate im Gastland sogar in auffälliger Weise physisch bzw. psychisch auf ihren Körper ein, z.B. in Form von Traurigkeit bis hin zur Depression, Euphorie, Müdigkeit und Antriebslosigkeit oder starken Gewichtsschwankungen in beide Richtungen. Rund 20 Prozent aller Studienteilnehmer spielten sogar irgendwann mit dem Gedanken, das Programm abzubrechen, was jedoch nur drei Befragte dann auch tatsächlich taten. |
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Rund 25 Prozent der Befragten wechselten die Gastfamilie. Bevor eine Gastfamilie gewechselt werden konnte, musste man aber zunächst einmal bei einer Familie platziert werden. Rund 35 Prozent warteten noch vier Wochen vor der Abreise auf eine Familie, und jeder Vierte hatte zwei Wochen vor der Abreise noch immer keine Platzierung, während knapp 15 Prozent sogar eine Woche vor der Abreise noch immer ohne Familie dastanden. Diejenigen, die die Adresse ihrer Gastfamilie weniger als vier Wochen vor dem Abflug erhielten, berichteten jedoch fast übereinstimmend, dass es abgesehen von der Nervosität, der vorübergehenden Selbstzweifel und dem Problem, den Koffer nicht frühzeitig und richtig gepackt zu haben, keinerlei Nachteile hatte, die Familienadresse erst so spät zu bekommen. Bei den "Frühplatzierten" waren hingegen nur knapp 30 Prozent der Meinung, dass es von Vorteil war, die Gastfamilienadresse frühzeitig erfahren zu haben. |
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Über 20 Prozent der Befragten besuchten eine Schule mit maximal 200 Schülern, weitere 20 Prozent mit maximal 500 Schülern, über 30 Prozent eine Schule mit mehr als 1.000 Schülern. Wohnhaft waren insgesamt fast 40 Prozent der Studienteilnehmer in Orten bis maximal 10.000 Einwohnern. In Städten mit über 100.000 Einwohnern waren gut 25 Prozent der Befragten platziert. |
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Vor dem Hintergrund des Abschneidens deutscher Schüler/innen bei den PISA-Studien war es interessant fest zu stellen, dass eine sehr große Mehrheit der Studienteilnehmer (längst nicht alles sehr gute" bzw. "gute" Schüler), das "akademische Niveau" der im Ausland besuchten Schule als niedriger im Vergleich zu ihrer in Deutschland besuchten Schule einstufte. Nur rund 15 Prozent fanden die Schule im Ausland schwieriger als in Deutschland. Sehr viele der Befragten gaben erklärend an, dass man an der von ihnen im Ausland besuchten Schule lediglich auswendig lernen, aber nicht selbstständig denken musste. Gleichzeit waren sich die Befragten (überwiegend Gymnasiasten) aber nahezu einig in dem Punkt, dass man an den ihnen bekannten Schulen im Ausland "mehr fürs Leben" lerne, da sie praxisorientierter wären und eine größere Fächervielfalt böten. |
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Rund 75 Prozent der Befragten fühlten sich von ihrer deutschen Organisation ausreichend auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet. Über ein Drittel der Studienteilnehmer vergaben die Höchstnote bezüglich der Zufriedenheit mit dem deutschen Veranstalter, lediglich knapp 10 Prozent waren nicht bzw. nicht ganz mit der Arbeit der von ihnen gewählten Organisation zufrieden. Während die Zufriedenheit mit der deutschen Austauschorganisation im Allgemeinen sehr hoch ist, waren knapp 30 Prozent der Studienteilnehmer mit der Betreuung im Gastland eher unzufrieden. Der Grund hierfür war nicht schwer zu finden: Knapp 15 Prozent der Befragten lernten ihren lokalen Betreuer in den ersten vier Wochen nicht persönlich kennen. Während zumindest rund 50 Prozent der Studienteilnehmer mindestens einmal im Monat Kontakt in Form eines Telefonats oder eines persönlichen Treffens hatten, gab die andere Hälfte aller Befragten an, ihren Betreuer während des gesamten Aufenthalts lediglich ein bis zweimal gesehen zu haben. 15 Prozent sahen ihren Betreuer lediglich bei der Ankunft am Flughafen - und dann überhaupt nicht mehr. 13 Befragte bekamen ihren Betreuer überhaupt nicht zu Gesicht. |
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Irgendwelche statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Antworten der Studienteilnehmern, die an dem Programm einer gemeinnützigen Austauschorganisation teilnahmen, und denjenigen, die mit einer nicht gemeinnützigen Austauschorganisationen ins Ausland gingen, konnten nicht festgestellt werden. |
Obwohl es nach fast einhelliger Meinung der Studienteilnehmer nicht immer einfach ist, Austauschschüler zu sein, würden fast alle anderen Jugendlichen raten, nach Möglichkeit an einem mehrmonatigen Schüleraustauschprogramm teilzunehmen. Für sehr viele der Befragten war der Schüleraustausch die "beste", "genialste", "faszinierendste"
oder schlicht "schönste" Zeit ihres Lebens. Der meist
genannte Ratschlag an zukünftige Austauschschüler lautete:
"Seid offen für Neues!"
Die Teilnahme an der Studie ist im Internet möglich unter: www.austauschumfrage.de
Thomas Terbeck
weltweiser - der unabhängige Bildungsberatungsdienst
Tel: 02306 978113
Email: info@weltweiser.de
Web: www.weltweiser.de
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